Weihnachten steht vor der Türe und es hat schon einige Schneeflocken gegeben. Vor den grossen Einkaufzentren biegen sich die Berge an frischen grünen Bäumchen, die „Schoggihaufen“ kurz nach dem Betreten des Ladens laden zum kaufen ein und die Temperaturen sinken langsam gegen den Gefrierpunkt. Ist doch nett diese Vorweihnächtliche Stimmung oder? Der Black Friday hat bestimmt geholfen das benötigte zu besorgen, kann also nichts mehr schief gehen bis zum grossen Feste wo dann alle in Tränen ausbrechen weil das Geschenk zu klein zu gross oder das Gleiche wie im Jahr davor war. Genau ich spreche von Weihnachten mit Kindern. Ich habe zwei davon. Der zweite ist zarte 7 Monate alt und der Erstgeborene 4 Jahre geworden. Wir sind nicht die, die schenken. Also schon immer mal wieder unter dem Jahr oder einfach so aber meistens nicht pünktlich zu Weihnachten.


Adventskalender ja oder nein


Beim Thema Adventskalender ist das auch so eine Sache. Entscheiden wir uns dafür benötigen wir 24 Geschenkli, entscheiden wir uns dagegen wird der 4 Jährige eventuell sauer weil alle anderen auch so 24 Geschenkli daheim verpackt stehen haben. Also hat sich meine Frau dafür ausgesprochen worauf ich gleich meinen Senf dazu gegeben habe, dann müsse er aber auch die Ganze Wahrheit erfahren mit dem Jesuskind und unserer Kultur und der Kirche und überhaupt. Davon haben wir uns nach einer „Spülbeckendiskussion“ (eine Diskussion während dem Abwaschen und Aufräumen) wieder distanziert. Oder anders ausgedrückt, ich habe mich mit meinem Überholmanöver wieder zurückgezogen. Als spirituell sehr interessierter Mensch und angestellter in einer reformierten Kirchgemeinde hat mein Einwand natürlich seine Berechtigung. Nun gut, er wird die „Wahrheit“ ja so oder so erfahren, spätestens wenn es Thema in der Schule wird. Dann hoffe ich einfach auf eine adäquate Auslegung dieser 2000 jährigen Kulturgeschichte und westlichen Glaubensgrundlage und nicht auf eine radikal evangelikale und enthusiastische Auslegung durch die Religionslehrpersonen. Mal schauen was uns da noch erwartet. Gemässigt oder fromm, das ist doch die Frage?


Der Samichlaus und der Schlitten

 

Ist der Samichlaus nun wirklich von Coca-Cola oder wie war das? „Warum tun an Weihnachten alle so fröhlich und nett und dann wieder nicht mehr Papa?“ Fragen über Fragen. In einer zunehmend säkularen Gesellschaft ist es meiner Meinung nach immer weniger klar was noch OK ist und was als zu fromm abgestempelt wird. Ich bin der, der am Sonntag gerne in den reformierten Gottesdienst geht und am Abend Death-Metal hört und Vikings schaut. Ich bin der, der lange Zeit ohne Kirche gelebt hat und es heute wieder ohne sie könnte. (Glaube ich zumindest.) Mein Nachttisch beugt sich unter Büchern die irgendwie spirituell und religiös sind. Ich bin der, der nach vielen Buchseiten und vielen spirituellen Erfahrungen merkt, dass er erst am Anfang steht und dass sein Weg noch lange weitergeht. Und ich bin der, der daran viel Freude und Spass hat! Und ich bin der, der von einer Welt träumt in welcher es keine Kriege, keinen Hass, keine Nazis, keine Ungerechtigkeiten und nur noch Menschen mit viel gelebter Achtsamkeit gibt. Wer sich selber liebt und achtsam mit sich und seinen Überzeugungen durchs Leben wandelt wird nicht immer noch mehr besitzen wollen oder andere demütigen oder sogar töten wollen. Und wer im Namen (irgend einer!) Religion tötet, hat meiner Meinung nach gar nichts verstanden. Ja, auch die Christen haben viele getötet und viele Christen quälen noch immer z.B. Homosexuelle etc. Ich wiederhole mich: Die haben leider noch gar nichts verstanden! Schrecklich, schlimm, abscheulich!


Lieder singen


Heute ist von der Heilsarmee ein Spendenaufruf getarnt als „Liedersammlung“ im Briefkasten gelegen. Lieder wie „Stille Nacht“ oder „oh du fröhliche“ waren in meiner Kindheit noch in Ordnung. Sind sie das heute auch noch? Lesen Sie einmal die Texte durch. Da würde ich auch sagen ziemlich fromm. Die Frage bleibt doch auch hier: Wie sprechen wir mit unseren Kindern über Weihnachten, Ostern und alle anderen auch noch wichtigen Bräuche und kulturellen Religionstraditionen? Ich finde möglichst offen, direkt und ehrlich. Eine Frage vom Kind soll auch eine Antwort haben. In meiner Familie ist das ziemlich gut abgebildet wie es auch in der Gesellschaft im Moment sich abzeichnet. Meine Frau die Atheistin, ich der „spirituell Suchende“. Als Buddhistisch interessierter Meditationsanhänger mache ich schon brav der Statistik Platz die da in Richtung Interreligiosität geht. Für mich stimmt es so und für meine Kinder soll es später auch stimmen. In diesem Sinne fröhliche Weihnachten und alles Gute für den Start ins 2020!