Ökumene auf der Kanzel

Dies ist ein Papablog. Ich bin ein Papablogger. Paparlapapp.

Im Rahmen des ökumenischen Gottesdienstes zur Fastenzeit wurde ich angefragt ob ich nicht etwas in der Kirche sagen könnte. Gefragt, getan! Hier ist mein ganzer Predigt-Text!

„Ich wurde also angefragt hier in der reformierten Kirche Birsfelden, in welcher ich übrigens gerne bin, etwas zu sagen zum Thema alternativer Lebensstil / bewusst anders Leben. Die Tatsache, dass ich dafür angefragt wurde lässt mich vermuten, dass ich dieses alternative oder bewusst andere Leben ausstrahle oder sogar verkörpere, sonst wäre ich ja nicht angefragt worden? Was macht mich also zu einem der sogenannt alternativ lebt oder es Stückweise immer wieder versucht?

Sind es meine langen Haare? Meine Tätowierungen? Mein Entscheid vegetarisch zu essen? Mein Verzicht auf ein Auto? Mein Entscheid FAIRE und biologische Produkte den unfairen und konventionellen vorzuziehen? Die Entscheidung in einer Genossenschaft nach MINERGIE P Standard zu leben? Mein Bezug von ÖKOSTROM daheim? Der Verzicht 100% zu arbeiten dafür mehr Zeit mit meinem Sohn verbringen zu können? Oder die Tatsache, dass ich mich für eine gerechtere Welt mit anders handelnden Männern einsetze?

Das müssen wir kurz beleuchten:

Lange Haare:

naja, war vielleicht zu Zeiten der Beatles noch etwas alternatives, heute interessiert das kaum noch.

Tätowierungen:

gemäss Internet ist die hälfte der jungen erwachsenen in der Schweiz tätowiert, ist auch nicht gerade wahnsinnig alternativ oder?

Vegetarisch essen:

3% der Bevölkerung zählen sich dazu. Ja, da gelte ich schon als alternativ oder bewusst anders.

Beim Auto der Genossenschaft und dem nicht 100% arbeiten würde es wohl etwa gleich aussehen. Ich befinde mich in einer relativ kleinen Gruppe von Menschen, die sich so entscheiden.

Ganz spannend wird es wenn ich zum Beispiel darlege, dass ich Musik aus dem okkulten Bereich mag, sich auf meinem rechten Arm diverse Teufel als Tattos verewigt haben, ich in einer Kirchgemeinde als Jugendarbeiter tätig bin, mich nicht zwischen Jesus und Buddha entscheiden kann und so weiter. Ist das nun bewusst anders oder alternativ? Ist es vielleicht einfach unentschlossen oder profillos?

Wenn es ein alternativ gibt, dann gibt es auch ein Normal oder gesellschaftlich akzeptiert: wie sieht das also aus?

In meinem Falle wohl so:

Kurze Haare, keine Tätowierungen, ein Auto, Fleisch essend in einer Wohnung mit ÖL Heizung lebend, konventionelle Produkte kaufend, keinen fairen Kaffee trinkend, Atomstrombrauchend, 100% arbeitend und einverstanden mit den noch immer vorherrschenden Männerbildern?

Wenn Sie mich fragen, dieses Normal oder konventionell stinkt mir mächtig. Wo ist da der Blick in die Zukunft? Wo sind die helfenden Hände? Wo das WIR anstelle des sich selbstverwirklichenden ICHS? Wo ist die Spiritualität? Wo ist LEBEN?

Das will ich nicht akzeptieren! Genau so wie ich es nicht akzeptieren will, dass in meiner Kirchgemeinde hier in Birsfelden noch immer kein fairer Kaffee ausgeschenkt wird, es im Quartalskalender noch immer heisst „Krabbelgruppe für Mütter und ihre Kinder!“ oder die Pensionskasse PKBL (zu welcher ich nun leider als angestellter einer ref. Kirche auch gehöre), mir nicht sagen kann mit WAS sie Gewinn macht?

Entschuldigen Sie die Formulierung „Wasser predigen und Wein trinken“, aber etwa so kommt es mir mit den erwähnten Beispielen vor.

Was bin ich also als einer mit einem alternativen / bewusst anderen Lebensstil? Ein „Stänkeri“ würden einige sagen. Einer der nervt und dabei nicht einmal richtig Steuern zahlt (weder für die Kirche noch für die Gemeinde noch für den Kanton noch für den Bund), weil er zu wenig Einkommen hat? Einer der alles hinterfragt und überall seine Nase reinhängen muss? Das dürfen Sie nun selber entscheiden. Und wenn Sie auch finden es könnte hier mehr auf faire Produkte geachtet werden so kommen Sie nach dem Gottesdienst auf mich zu und wir gründen eine Arbeitsgruppe! Und wenn Sie Lust haben, dann lassen Sie sich als Mann die Haare wachsen und ich kenne auch ein paar gute Tätowierer.“

Nach der Rede ist vor der Rede

Ich habe einige sehr positive Rückmeldungen erhalten zu diesem Input. Die ref. Kirche und auch andere Kirchen in Birsfelden sind bereits mit fairem Kaffee unterwegs. Leider haben sie es noch niemandem gesagt. Das wird sich künftig ändern, ich bliebe aktiv. Eine spannende Frage die ich mir für einen der nächsten Blog Beiträge aufspare ist: Wie gehen wir als Eltern mit Religion und Werten um? Was geben wir unseren Kindern mit? Das wird spannend!

 

 

Ein Gedanke zu „Ökumene auf der Kanzel“

  1. Lieber Rugeli Das ist ja die Krux bei Entscheide in die weitere Zukunft = 12 bis 20 Jahre. Weil: 1. die Ü70 Jährigen nicht mehr alle da sind 2. die U35 Jährigen Birsfelden schon längst verlassen haben Doch das war und wird immer so bleiben, daher im Sinne Vieler, die Prozesse sauber durchführen — zum Wohle von Birsfelden.

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