Fressen und vom Fressen „aufgefressen“ werden

 

 

Exakt 21:12 Uhr, big S. (unser Sohn) liegt mit Fieber im Bett und kann nun hoffentlich einschlafen, von durchschlafen wird ja diese Nacht wohl keine Rede sein. Nase verstopft und Fieber, dann diese Schweinehitze, alles klebt irgendwie ständig. Ich komme mir schon vor wie in den Tropen! Meine Betriebstemperatur wo ich am besten funktioniere ist ca. 25 Grad und „Pasta“. Darum geht es heute in diesem Blog Beitrag. Es geht ums Essen: Essen beschaffen, Essen zubereiten, Essens-Spuren beseitigen (besonders mit Kind nötig), Essen verdauen. Dann wieder von vorne. Also bei uns ist das so: Meine Frau kocht öfters und besser als ich. Ich koche auch immer mal wieder, manchmal war es sehr regelmässig und konstant, jetzt ist es wieder ungeklärter. Häufig ist es so, wer später nach Hause kommt, darf sich an den Tisch setzen. Jetzt gilt es natürlich nicht um die Ecke zu warten bis der Partner daheim ankommt und dann nach noch einer halben Stunde gaaanz entspannt reinzukommen und an den Tisch zu sitzen. Es hat ja auch sehr häufig zu tun mit wer gerade welche Sitzung bei der Arbeit hat die noch bis spät dauert oder wer das Kind abholt oder mit ihm von irgendwo nach Hause kommt. Wie war das bei mir früher: Also bis ca. 22 Jahre habe ich daheim gelebt bei Mutti und mit meinem Bruder. Da gab es was es gab und das war eigentlich immer sehr gut. Dann bin ich in eine WG gezogen und war mit dem Angebot in der MIGROS total überfordert, nein ich wusste gar nicht wo es was zu finden gibt im Laden! dann fingen erste Versuche an, mit oder ohne Tip-Topf und manches ging in die Hose oder war wohl schlicht ungeniessbar. Irgendwo in dieser Zeit habe ich mich ausschliesslich von Fleisch und Schrott ernährt. Mein BMI war aber immer eher gegen den untergewichtigen Teil, so dass ich mit stolz futterte was gerade rum war. Bio oder Fair Trade oder Saisonal gab es für mich bis 25 eigentlich nicht. Eine Tomate kommt aus dem COOP, eine Spargel kommt aus dem COOP und Fleisch ist Fleisch und hat mit einem Tier nichts zu tun. Dann kam meine ZIVI Zeit bei Greenpeace Schweiz und damit ein Umdenken was Ernährung und allgemein Umwelt anbelangt. Ich war fasziniert von Ökobilanzen, Berichten über Gurken von weit weg oder besonders nahe und sammelte alles und jedes was mich in meinem Verhalten stärkte. (Dem würde heute glaube ich „Bubble“ gesagt.) Zum Vegetarier wurde ich erst mit ca. 33 Jahren so „richtig“. Heisst eigentlich per Definition bin ich „Flexitarier“ weil ich einmal pro Jahr Fleisch esse. Echt jetzt! Kein Scheiss. Einmal pro Jahr häufig rund um meinen Geburtstag wünsche ich mir von meiner Frau etwas mit Fleisch. Dieses Jahr könnte es wieder eimal eine Bratwurst werden. Wer sich für seinen Fussabdruck interessiert, da finde ich noch immer den WWF-Footprint sehr toll. Es gibt natürlich noch viel anderes. So weit so gut, dann könnten wir uns noch über Veganismus unterhalten (ich gehöre zu den Menschen die sich davon NICHT bedroht fühlen), Paleo Ernährung, low carb, kein carb, nur Fleisch, nur Roh, nur blau? Jetzt sind wir beim Kinde und den Ernährungsfragen angelangt. Mit schon fast 2 Jahren isst big S. ja schon fast alles. Also er kann einigermassen (manchmal) mit der Gabel spielen..ehm essen, hat meistens einen grooooossssen Hunger, kann kaum bis zum Start warten, bei welchem wir uns die Hände geben und uns „einen guten Appetit“ wünschen, mag fast immer Bananen, PASTA, Brot, Wurst, Tofu (hehe…), Tomaten, Gurken, Fisch etc. Und natürlich Süsses, wenn es mal etwas gibt, ist bei uns wirklich sehr selten und war im ersten Jahr gar nicht. Zucker sei ja schlimmer als Heroin sagen manche. Das kenne ich von mir auch. Den ganzen Tag wenig essen, am Morgen zu wenig und dann plötzlich am Nachmittag irgendwas reinziehen was gerade rumliegt, da habe ich dann oft keine Lust mehr um zu kochen. Und jetzt soll ich Vorbild für meinen Sohn sein beim Essen? Ok, wir spielen nicht mit den Handys am Tisch beim Essen, wir starten gemeinsam und hören häufig zusammen auf. Versuchen Essen einen Wert zu geben weil es eben angebaut, geerntet, verarbeitet und transportiert werden muss, essen regelmässig und kochen sehr viel frisch und saisonal und ich würde meinen ohne viel Fettiges. Auch Diskussionen der Art „wenn du noch zwei Rüebli-Stängeli essen tust, dann darfst du nachher noch ein Guzzi essen“, haben wir keine Lust. Wir bieten big S. viel verschiedenes an, wenn er halt etwas nicht will, dann soll er es halt lassen. Ich bin sogar der Meinung dass wir in unserer Gesellschaft kaum einen Mangel erleiden können was das Essen anbelangt, es gibt sogar im Energy Drink B12! Also was soll das Geschrei? Einzig werden wir wohl einfach FETT und verfallen dem Konsumrausch beim Einkaufen. Was einmal im Kühlschrank ist wird meistens auch gefressen oder nicht? Und nicht vom Hund und zur zeit auch noch nicht von big S. also eher von uns.-) Essen ist Kultur und Geschichte, Essen ist sinnlich und schüttet so viele Emotionen aus. Essen ist geil und macht immer nur bis zum nächsten Hungerast satt. Irgendwie krass oder und kein Wunder dass so viel an Geld und Zeit in die Forschung von Lebensmittel geht. Der Markt ist riesig und hat mit einem unserer Grundbedürfnisse zu tun. Nur blaues Essen? Das haben wir einmal irgendwo gelesen wenn Kinder stress machen mit Gemüse und Salat. „Heute ist der grüne Tag, du darfst im Geschäft alles aussuchen was grün ist…!“ Ok, diese grünen Dinger aus Zucker und Gelatine sind auch grün…aber ist ein Versuch wert würde ich meinen. Rückblickend kann ich auf meine eigene Kindheit sagen, dass ich Bilder im Kopf habe wo ich etwas „aufessen musste“. Das sind unschöne Bilder und sie sind mir geblieben. Hat man das 1985 so gemacht? Ich habe keine Lust auf so was, weil ich meine Energie lieber für anderes verwenden möchte mit meinem Sohn. Oder erkläre einem 2 jährigen einmal, dass Gemüse GESUND ist und er es darum essen soll!? Essen beschaffen: bei COOP und MIGROS kann MANN mit App auf Handy essen anklicken und dann wird es gebracht. Ab 200 CHF lieferfrei und erst noch ökologischer weil nicht mit dem Privatauto geholt. Machen wir ca. einmal pro zwei Monate. Dann haben wir noch ein Gemüseabo und gehen trotzdem noch gefühlte 1000 Mal pro Monat in so einen Laden. Zubereiten: Hatte ich schon mehr Lust dazu, bin manchmal zu faul, dann gibt es dann Pizza oder Teigwaren mit Ketchup (nicht dem Kinde zeigen, es lernt mit.-)). Abwaschen trotz Maschine ist ein Chrampf, da ich weniger koche wasche ich mehr ab. Mein Sohn hat mich schon sooo oft am Spülbecken gesehen, er meint vielleicht ich sei Koch. Aber ist total ok für mich, dann tut er sich schon früh mit diesen Gender-Dinger auseinandersetzen. „Ä guete Mitenand.“